Dahoam is Dahoam

Wir sind nun seit über sechs Monaten unterwegs. Anfangs wollten wir einfach los und immer möglichst schnell weiter und weiter radln. Doch je länger wir reisen und je weiter wir kommen, um so mehr wissen wir Orte, die sich wie ein Zuhause anfühlen zu schätzen.

Da wäre einmal unser Zelt zu nennen, das uns schon an den ungemütlichsten Plätzen Unterschlupf gewährt hat. Wenn ich hinein krieche, lässt es mich vergessen, wo ich mich befinde und was um mich herum los ist, denn sein Innenleben ist einfach immer gleich. So kommt es oft vor, dass ich nachts aufwache und überlegen muss, wo wir das Zelt am Abend aufgestellt haben.

Am Issyk Köl
Am Issyk Köl

Inzwischen liebe ich es zu zelten, weil es uns so unabhängig macht von der schwierigen Suche nach Unterkünften oder bisweilen anstrengenden Gastgebern.

Im Iran wurden wir oft eingeladen über Nacht zu bleiben oder wir nutzten warm showers. Für mich war es jedes Mal spannend, wie sich die Frau verhalten würde, sobald sie die Haustür hinter sich zugezogen hatte. Wird sie ihr Kopftuch abnehmen und sogar in ein Sommerkleid schlüpfen? Oder wird sie sich bedeckt halten, damit Wolfgang keinen Blick auf sie erhaschen kann? Denn je nachdem konnte auch ich das Kopftuch abnehmen und mir legere Kleidung anziehen oder ich blieb in iranischer Tracht. Die Bedeutung eines Zuhauses wurde mir im Iran in diesem Zusammenhang erst richtig bewusst. Denn wie sich die Menschen im Iran auf der Strasse geben und was sie daheim tun, klafft oft weit auseinander. „Mein Zuhause ist meine Höhle. Nur hier kann ich sein und mich zeigen, wie ich wirklich bin.“ erklärte eine iranische Frau bei der wir zu Gast waren. Sie bezog sich mit dieser Aussage natürlich nicht nur auf die Kleidervorschrift in ihrem Land, aber für mich war vor allem diese am eigenen Leib spürbar und überall sichtbar. Ich habe Frauen im Iran gesehen, die für meine Begriffe total verkrampft auf der Strasse herumlaufen, weil sie den Ganzkörperschleier mit Händen, Armen und sogar Zähnen einklemmen, um unter allen Umständen bedeckt zu bleiben. Was für eine Erleichterung muss es für sie sein, wenn sie über die Türschwelle ihres Zuhauses treten und einfach los lassen können?

Endlich los lassen können wir in unserer Unterkunft in Osh. Wir haben ein kleines Appartement gefunden, in dem wir schalten und walten können wie wir wollen oder es von Zuhause gewohnt sind. Denn mit der Zeit sehnen wir uns nach alten Gewohnheiten und vermissen deutsche Selbstverständlichkeiten, denen wir zu Beginn noch entfliehen wollten. Kochen und essen worauf wir Lust haben, tatsächlich das einkaufen können, was wir wollen, mit Freunden und Familie (zumindest per Mail) kommunizieren, Filme schauen … Für eine Woche haben wir unsere eigenen vier Wände und erholen uns vom Unterwegssein, vom Gast sein, vom Fremd sein. Wir folgen nur unserer eigenen Etikette und fühlen uns wie zuhause.

Manchmal begegnet uns auch ein Stück Heimat auf der Straße. Ich bin schier ausgeflippt als Mitten in Tadschikistan ein Jeep mit Bamberger Nummernschild an uns vorbei gefahren ist. Und es kam noch besser… Zunächst konnten die Insassen entkommen, aber an der nächsten Sehenswürdigkeit haben wir sie erwischt.

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Die Bamberg Connection

Na Papa, na Mona habt ihr die Beiden erkannt? Die Welt ist halt doch ziemlich klein und die Heimat deshalb niemals fern.